Geburtstag ohne Geburtstagskind
Sprecher: René hatte so viele Spielsachen, wie sie kaum ein anderes Kind besaß, und trotzdem gab es etwas, was er vermißte! Er wünschte sich so sehr Spielkameraden, Freunde und Geschwister. René war ein Einzelkind; sein Vater war oft auf Geschäftsreisen und seine Mutter war kränklich und außerdem überaus ängstlich. Darum durfte René vieles nicht tun, was Kindern Spaß macht: Zum Beispiel Fußballspielen, auf Bäume klettern, schwimmen im Baggersee und noch einiges mehr. So war René trotz seiner vielen Spielsachen nicht zu beneiden.
Eines Tages kam Tante Helen aus dem Nachbardorf zu Besuch.
Tante Helen: René, du hast ja bald Geburtstag!
René: Ja Tante, nächste Woche Samstag.
Tante Helen: So, dann wirst du schon 9 Jahre alt! Was wünscht du dir denn zum Geburtstag?
René: Ich wünsche mir ein richtiges Kinderfest, mit Kuchen essen, lustigen Spielen und vielen Kindern.
Tante Helen: Na, du hast aber einen sonderbaren Wunsch. Deine Mutti wird ihn dir bestimmt nicht erfüllen, aber ich habe eine Idee. Du kannst deinen Geburtstag bei mir zu Hause feiern. Ich lade Kinder ein und backe Kuchen, und du kommst dann einfach zu mir, und dann feiern wir gemeinsam deinen Geburtstag. Bist du einverstanden?
René: Oh, Tante Helen, natürlich bin ich einverstanden. Das wird mein schönster Geburtstag werden!
Sprecher: Tante Helen freute sich, ihrem Neffen diesen Wunsch erfüllen zu können. In dem Garten, der zu dem alten Haus dazugehörte, sollte die Geburtstagsfeier stattfinden. Ihr Häuschen, das sie mit ihrer Freundin Frau Bodenmann teilte, war zwar klein, aber dafür war der Garten umso größer.
Mit Begeisterung begann Tante Helen Renés Fest vorzubereiten.
Tante Helen: Luise, sieh mal, ich habe Säcke zum Sackhüpfen, Luftballons und auch Eimer für Wasserspiele besorgt. Und die Kinder aus unserem Dorf sind auch schon eingeladen.
Fr. Bodenm.: Na, da wird sich René aber freuen! Wann kommen denn die Kinder?
Tante Helen: Kommenden Samstag, um zwei Uhr Nachmittag.
Sprecher: So wurde es Samstagnachmittag. Das Fest war soweit vorbereitet. Liebevoll hatte Tante Helen die Tische im Garten und Luftballons an die Bäume gehängt. Aus der Küche duftete es herrlich nach Kuchen und gekochtem Saft,
Sprecher: und dazu gab es auch noch Fruchtsalat. Bald würden die ersten Kinder kommen.
Franz: (kommt aufgeregt) Tante Helen, kannst du nicht helfen? Der gelähmte Großvater ist aus dem Bett gefallen und Mutti schafft es nicht allein, ihn aufzuheben!
Tante Helen: (zu sich) O, muß das jetzt auch noch kommen! Die Kinder sind gleich da. – Na gut, komm Franz wir fahren schnell mit dem Auto.
Luise komm schnell her!
Fr. Bodenm.: Ja, was ist denn?
Tante Helen: Ich muß jetzt dringend weg, bin aber gleich wieder da. Schau, es ist alles vorbereitet! Bringe den Kindern einfach den Saft und den Kuchen hinaus. Die ersten müßten gleich da sein. Franz, komm wir fahren!
Sprecher: Tante Helen war für ihre Hilfsbereitschaft im ganzen Dorf bekannt, und als Gemeindeschwester wurde sie immer gerufen, wenn jemand Hilfe brauchte. So war es auch jetzt, aber diesmal sehr ungelegen.
– MUSIK -
Sprecher: Frau Bodenmann begrüßte die Kinder freundlich und servierte die Leckereien. Nach dem Essen wurde es recht lustig und über 20 Kinder tollten im Garten. Einige kreischten auf, weil sie beim Schiffchenblasen naß geworden waren. Alle waren vergnügt. Wo aber blieb René? Niemand merkte, daß er fehlte und Tante Helen war ja weg. Er hätte längst da sein müssen.
Was war passiert?
Mit seinem Fahrrad war er fröhlich losgefahren, immer die Landstraße entlang. Dann aber war er in einen Feldweg abgebogen, der ihm zum Verhängnis wurde. Er stürzte und fiel dabei unglücklich. Die Hose war am Knie zerrissen und er blutete an den Händen und am Knie. Dicke Tränen kullerten über seine Wangen und als er sie mit seine dreckigen und blutenden Händen wegwischte, sah das Gesicht genauso schlimm aus, obwohl es gar nicht verletzt war. Und erst das Fahrrad! Das Vorderrad war verbogen und ließ sich nicht drehen.
René: O weh, wie soll ich denn jetzt zu Tante Helen kommen? Es ist noch ein Stückchen bis zu ihr. (nachdenklich) Vielleicht zu Fuß? Ach, ich lege das Fahrrad hier ins Gebüsch, wir können es doch später abholen. Schieben kann ich es sowieso nicht!
Hoffentlich schaffe ich es zu Fuß, mein Bein tut mir so weh.
Sprecher: Tapfer machte er sich auf den Weg und als er Tante Helens Haus erreichte, hörte er fröhlichen Lärm aus dem Garten. Er schlüpfte durchs Tor, blieb auf dem Kiesweg stehen und suchte unsicher nach Tante Helen. Ein paar Jungen hatten ihn entdeckt.
Willi: Sieh mal, Thorsten. Da hinten steht einer; sieht aus wie ein Landstreicher.
Thorsten: He, was machst du hier. So ein Landstreicher wie du, paßt nicht hierher!
Frank: Und wie dreckig du bist! So ein Dreckskerl paßt wirklich nicht auf dieses Fest. Das ist nur für solche, die eingeladen sind!
René: Aber, ich bin doch…
Willi: Sieh zu, daß du fortkommst!
René: Wo ist denn Tante Helen? Ist sie im Haus?
Frank: Ach, die ist weggefahren. Nun mach, daß du fortkommst! Geh endlich!
Sprecher: Die Jungen versperrten René den Weg. Langsam wich er zurück, versteckte sich hinter der Hecke und weinte. Im Garten aber feierten sie Geburtstag ohne Geburtstagskind.
– MUSIK -
Sprecher: Endlich kam Tante Helen zurück. Sie hatte viel länger gebraucht, als vorauszusehen war. Großvater Spenger mußte ins Krankenhaus gebracht werden und so war es spät geworden. Als sie zum Haus eilte, hörte sie bei der Hecke schluchzen und fand dann ein Häufchen Elend, das Geburtstagskind.
Tante Helen: Was in aller Welt machst du denn da? René, was ist passiert?
René: Ich, ich wollte…, Tante Helen mein Fahrrad!
Tante Helen: Ach, du blutest ja. Komm wir gehen ins Haus und ich wasche dich erst einmal. Und dann erzählst du mir was passiert ist.
Sprecher: Als die Kinder Tante Helen mit dem ”Landstreicher” im Haus verschwinden sahen, waren sie ganz verblüfft.
Thorsten: He, gehört der vielleicht doch dazu?
Willi: Wird wohl. Haben wir doch nicht wissen können!
Frank: Ich kenne den auch gar nicht. Ach kommt, es ist sowieso schon Zeit um nach Hause zu gehen.
Willi: Ja, unsere Eltern werden auch schon warten.
Sprecher: Höflich verabschiedeten sie sich von Frau Bodenmann, die ihnen soviel Gutes aufgetragen hatte.
Im Wohnzimmer war Tante Helen damit beschäftigt, Renés Wunden zu
Sprecher: säubern und zu verbinden, während René sein Mißgeschick erzählte. René fühlte sich wohl bei ihr und so sagte er ihr alles, was auf seinem Herzen war. Er war froh, daß er über Nacht bleiben durfte.
Tante Helen: René, jetzt werden wir es uns gemütlich machen. Ich bringe gleich Tee und Kekse und dann wollte ich dir noch etwas vorlesen.
Sprecher: Tante Helen deckte festlich den Tisch und stellte 9 Kerzen darauf, so alt wurde er nämlich. Dann holte sie die Bibel und setzte sich zu René aufs Sofa. Sie schlug eine bestimmte Stelle auf und unterstrich einige Zeilen mit einem Rotstift.
Tante Helen: Kannst du das lesen, René?
René: ”Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf.” Tante Helen, was ist damit gemeint?
Tante Helen: Sieh mal das war nicht nur damals so. Jedes Jahr feiern soviele Leute Weihnachten, den Geburtstag des Herrn Jesus, ohne ihn zum Fest einzuladen. Ein Geburtstagsfest ohne Geburtstagskind, wie bei dir heute.
Sprecher: René begriff. Er hatte ja erlebt und es hatte weh getan. Sicher schmerzt es dem Heiland auch, wenn sein Geburtstag ohne ihn gefeiert wird.
René: (in Gedanken) Und die seinen nahmen ihn nicht auf…
Tante Helen: René, lies mal weiter, was da steht.
René: Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben.
Tante Helen: Ja, jeder hat die Möglichkeit Jesus ins Herz aufzunehmen und ein Gotteskind zu werden.
René: Tante Helen, das möchte ich auch.
Sprecher: Gemeinsam sagten sie diesen Entschluß dem Herrn Jesus und René nahm den Heiland auf. Jetzt war er auch nicht mehr traurig darüber, daß er so gemein behandelt worden war. Nein, dieser Geburtstag wurde zum Segenstag, zum wirklich richtigen Geburtstag.