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Weihnachten auf den Schiff

by admin on August 27th, 2011

Autor: Es war vor mehr als fünfzig Jahren, das weit in der Eiswüste, unweit vom Nordpol, sich eine Mannschaft eines englisches Schiffes befand. Das Schiff hatte vor drei Jahren das Festland verlassen, um die Spuren des verschwundenen Polarforschers, Franklin, zu suchen. Das Schiff war schon das dritte Jahr von den schrecklichen Eisfeldern eingekreist und eine Rettung war aus menschlicher Sicht nicht mehr möglich. Am Deck des Schiffes hörte man am Abend vor Weihnachten ein Gespräch zwischen einem Schiffsjungen, der Sohn eines Missionars, der zur Zeit in Labador war, und dem Kapitän.

Kapitän: Morgen ist Weihnachten. Woher nehmen wir den Weihnachtsbaum?

Schiffsjunge: Nur Geduld, Herr Kapitän, sie werden schon sehen.

Kapitän: Du kennst die Niedergeschlagenheit der Mannschaft, wir müssen sie aufrichten.

Schiffsjunge: Ich? Sie? Nein, das können wir nicht, das ist unmöglich. Aber Gott kann es.

Kapitän: Ach, Gott hat uns verlassen, lieber Junge.

Schiffsjunge: Aber wenn sei wollen, kommt es wieder und hilft uns. Hören sie mich an, werter Kapitän. Mein Plan ist, den Raum ein wenig weihnachtlich zu schmücken und einen Gottesdienst abzuhalten. Ich allein kann das nicht, natürlich müssen sie mir dabei helfen.

Kapitän: Den Raum schmücken? Aber das ist doch ein Kinderspiel!
Doch nein, das spricht zu jedem auf seine Art und Weise. Es ist die Erinnerung an seine Kindheit. Gott segne dich mein Junge.

Schiffsjunge: Ach! Das wird herrlich! Sie werden sehen, daß Gott uns nicht verlassen hat.

Kapitän: Mache nur alles fertig, ich will dabei sein, um zu sagen, was Weihnachten bedeutet.

Autor: Die Lebensmittel auf dem Schiffe gingen zur Neige, denn den dritten Winter eingefroren, begann auch den Tapfersten, der Mut zu sinken. Einer nach den anderen starben die Matrosen. Hunger und Kälte sollte der Tod für die noch übriggebliebenen werden. Mutlosigkeit hatte die ganze Mannschaft ergriffen. Nur der Schiffsjunge schaute noch mutig in die Zukunft, weil er auf Gott vertraute. Der Schiffsjunge machte alles fertig und dann rief der Kapitän alle zusammen.

Matrose 1: Was ist los? Was soll das bedeuten?

Matrose 2: Weihnachtsabend sagte man mir.

Matrose: Was hilft uns Weihnachten, hier im Eis eingefroren? Ist ja doch keine Hoffnung da!

Matrose 1: Ja, richtig, zu Hause ist heute Weihnachten.

Matrose 2: Ach, wie wäre es zu Hause doch so schön.

Matrose: Ja, vor drei Jahren war ich bei meinen Eltern und Geschwistern am Weihnachtsabend zu Hause. Nie, nie werde ich sie alle wiedersehen.

Autor: Eine kurze Zeit später standen die Mannschaft und die Offiziere in der hinteren Kajüte. In der Ecke stand der Weihnachtsbaum, eigentlich war das gar keiner. Wo sollte der auch herkommen? Aber die Not macht erfinderisch. Auch wenn das kein Tannenbaum war, doch schien es ein wenig weihnachtlich auszusehen. An einem Stock war dürres Reisig, die Zweige gebunden, ein wenig Moos war der grüne Tannenschmuck und als Früchte hingen kleine Geschenke des Kapitäns dran. Die Schiffslaterne war oben angebracht und leuchtete als Stern des Baumes. Als der Kapitän eintrat, war eine wunderbare Stille.

Kapitän: Liebe Freunde, der alte Gott lebt auch heute noch, auch wenn wir glauben, seine Liebe habe ein Ende, so kommt es daher, das wir Ihn nicht mehr lieben. Wir sind es, die vergessen haben zu lieben, zu hoffen und zu vertrauen. Wenn wir auch den Polarstern nicht sehen können, weil ihn der dichte Nebel verhüllt, so wissen wir doch, das er da ist. An dem Himmel der Christen ist auch der Polarstern, verbirgt ihn das Unglück wie ein Nebel, unser Glaube dringt hindurch. Darum Mut gefaßt, das Auge nach oben und die Herzen in die Höhe. Was Gott mit uns vorhat, das wissen wir nicht, aber eins weis ich, das wir in seiner Hand sind und in jeder Not und Lebenslage haben wie einen Retter, Jesus Christus. Wollen wir in festen Glauben zu Ihm beten, er kann helfen und uns erretten.

Matrose 1: Herr Kapitän, sie haben recht, auch wir wollen von nun an den Herrn anrufen, daß er uns erretten möge.

Matrose 2: Es steht doch irgendwo in der Bibel: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen:“

Matrose 3: Bis jetzt haben wir Gott noch nicht ernstlich angerufen, von heute an will ich es tun, Herr Kapitän.

Kapitän: Recht so, Burschen! Wer Gott vertrat, der hat auf keinen Sand gebaut.

Autor: Darauf gab der Kapitän jedem die Hand und alle waren froh ihm die Hand zu drücken. Denn der Weihnachtsabend hatte der Mannschaft den Frieden und das Vertrauen zu Gott geschenkt. So vergingen die Weihnachtstage mit frohem Singen und Beten. Merkwürdig ruhig ist es auf dem Schiff geworden, alle vertrauten auf Gott. Die ganze Nacht hatte der Sturm gewütet, am Morgen hatte er nachgelassen, der Nebel verzog sich, der Himmel wurde sichtbar. Der mutige Schiffsjunge ist am Mastbaum hochgeklettert und stieß einen merkwürdigen Schrei aus.

Schiffsjunge: Herr Kapitän, sie kommen, sie kommen!

Kapitän: Wer kommt Junge, bist du von Sinnen?

Schiffsjunge: Ein Schiff in Sicht! Hilfe kommt!

Kapitän: Her mit dem Fernrohr!

Autor: Der Kapitän nahm mit zitternden Händen das Fernrohr und schaute in die Ferne.

Kapitän: Ja, in weiter Ferne ist ein Punkt und der Punkt wird immer größer Burschen. Gott sei Dank!

Matrose 1: Hurra, Hurra, ein Schiff, o welche Freude, nun geht es doch noch nach Hause!

Matrose 2: So schnelle Hilfe, wer hätte das gedacht? Ja, das Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.

Matrose 3: Das ist das ernste Gebet unseres geliebten Kapitäns.

Autor: Immer näher kam das Schiff, die Matrosen waren alle wie neu belebt und etliche ganz außer sich vor Freude, sie warfen ihre Mützen in die Luft und ließen vielstimmige Hurra Rufe erschallen. Der Kapitän stand unbeweglich und stumm inmitten seiner fröhlichen Matrosen und schaute starr und unbeweglich auf den Punkt in der Ferne. Näher und näher kam die Rettung. Es war ein starker Eisbrecher, er kam so nahe heran, daß sie sich verständigen konnten. Als die Mannschaft gerettet war, umringten alle Matrosen den Kapitän, und sie dankten gemeinsam ihrem Gott für die schnelle Hilfe. Alle hatten ihre Häupter geneigt und waren tief gerührt, kein Auge blieb trocken. In allen Herzen war das richtige Weihnachtsfest eingekehrt.

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