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Es gibt ein wunderschönes Land

by admin on August 27th, 2011

Autor: Als ein Stadtmissionar auf einem seiner Rundgänge in einem alten Treppenhaus einige Augenblicke ausruhte, hörte er vom Speicher plötzlich eine dünne Kinderstimme. Er war ganz überrascht, daß offenbar auch der Speicher bewohnt war. Er stieg die schmale ausgetretene Treppe hinauf und kam an die Tür eines Bretterverschlags. Er öffnete die Tür und erblickte nun in einer Ecke des Raumes auf einem Haufen Lumpen die abgezehrte Gestalt eines kleinen Jungen. Dessen Gesicht war eingefallen und sehr weiß. Der Missionar erkannte sofort, daß ein Sterbender vor ihm lag. Er trat näher hinzu, und weil kein Stuhl vorhanden war, kniete er neben dem Lager auf dem Boden nieder. Er sagte dem Jungen, wer er sei und fragte ihn, was er eben gesungen habe.

Junge: Ich freue mich das sie mich besuchen. Ich bin schon lange krank und werde wohl bald sterben. Nun habe ich mich bemüht, ein Lied zu singen, das ich vor längerer Zeit in einer Sonntagschule gehört habe. Leider kann ich mich trotz aller Mühe nur an die beiden ersten Zeilen erinnern. Sie lauteten: Es gibt ein wunder-schönes Land, wo reine Freude wohnt. Auch an die Melodie erinnere ich mich nicht mehr so richtig, und so habe ich versucht durch wiederholtes Singen meinem Gedächtnis nachzuhelfen. Aber es gelingt nicht ganz.

Autor: Der Besucher kannte glücklicherweise das Lied gut und begann sofort, es zu singen. Der Kranke lauschte mit leuchtenden Augen und einem hellen Lächeln auf seinen totenbleichen Zügen. Ja, das war das Lied, das damals einen so tiefen Eindruck auf ihn gemacht und seine Gedanken auf ein besseres, ein herrliches Land gelenkt hatte. Wie gut, daß der freundliche Fremde gekommen war! Jetzt konnte er gewiß noch mehr hören über das “wunderschöne Land”!, in welchem es keine Schmerzen, keinen Hunger und keine Kälte mehr gibt. Als der Missionar das Lied zu Ende gesungen hatte, fragte er freundlich:

Missionar: Nun, mein lieber Junge, bist du auf dem Wege zu diesem wunderschönen Land?

Autor: Das blasse Gesicht des Kranken nahm einen immer ernsteren Ausdruck an, und langsam füllten sich seine Augen mit Tränen. Der Missionar sah es mit tiefer Bewegung. Er erkannte, daß ihn Gott an dieses Sterbelager geführt hatte. Als er dann seine Frage wiederholte, antwortete der junge schluchzend:

Junge: Wie gern möchte ich dahin gehen! Aber ich weiß den Weg nicht. Ich bin ein böser Junge gewesen und passe nicht in jenes Land. O, lieber Herr, können Sie mir nicht sagen, ob ich irgend etwas tun kann, um in jenes Land zu kommen?

Missionar: Nein, mein Junge, du kannst nichts tun. Du brauchst aber auch nichts zu tun. Alles, was nötig war, hat ein anderer für dich getan.

Autor: Der Kranke machte ein erstauntes Gesicht. So etwas hatte er nie gehört. Er sollte nichts zu tun brauchen, um in jenes wunderschöne Land zu kommen? Wie war denn das möglich? Der Missionar, der den erstaunten Blick des Knaben bemerkte, fuhr fort:

Missionar: Du sagtest eben, du seist nicht passend für jenes herrliche Land, den Himmel, und so ist es auch. Du hast gegen Gott gesündigt, aber hast du nie gehört, daß der Herr Jesus, der Sohn Gottes, aus der himmlischen Herrlichkeit auf die Erde gekommen ist? Er ist am Kreuzesstamm schrecklich gestorben, um verlorene Sünder zu retten, wie du einer bist? Ja, der Sohn Gottes ist an deine Stelle getreten und hat den gerechten Zorn Gottes für dich getragen, damit du nicht gerichtet werden sollst. Er war der Reine und Heilige, der Unschuldige und Gerechte, und Er ist für uns elende und ungerechte Sünder gestorben, damit wir Vergebung unserer Sünden und ewiges Leben finden durch den Glauben an Seinen Namen.

Autor: Mit diesen Worten nahm der Sprecher seine Bibel zur Hand und las: “Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.” (Johannes 3,16) Mit atemloser Spannung hatte der Kranke zugehört. Er sagte zunächst nichts, und der Besucher sprach weiter:

Missionar: Gott hat in Seiner unbegreiflichen Liebe Seinen Sohn für die Sünder in den Tod gegeben hat. Und dazu gehörst auch du. Jeder, der an Ihn glaubt, geht nicht verloren, sondern hat das ewige Leben. Und wenn es heißt: jeder, dann bist auch du einbegriffen. Verstehst du das?

Junge: Ja, aber ist es denn auch ganz gewiß wahr, daß der Herr Jesus gestorben ist, um mich zu retten?

Missionar: (blättert in der Bibel) Das ist gewißlich wahr und ein Wort, des Glaubens werrt, daß Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, (1.Tim. 1,15) und Diesem geben alle Propheten Zeugnis, daß jeder, der an ihn glaubt, Vergebung der Sünden empfängt durch seinen Namen (Apg. 10,43) Ja, es ist ganz gewiß wahr. Der Herr Jesus ist auch für dich gestorben, und Sein Blut reinigt dich von aller Sünde.

Autor: Der Kranke schloß die Augen und lag eine Zeitlang still da. Nur die Lippen bewegten sich. Endlich öffnete er die Augen wieder, blickte den noch immer neben ihm knienden Herrn mit glücklichem Lächeln an und sagte:

Junge: Ich glaube jetzt, daß Er auch für mich gestorben ist und meine vielen Sünden getragen hat. Aber wie war es möglich, daß Er mich so lieben konnte, obwohl ich doch so schlecht war?

Missionar: Das ist auch ganz unbegreiflich, aber dennoch ist es wahr. Gottes Wort sagt: Denn Chrisuts ist schon zu der Zeit, als wir noch schwach waren, für uns Gottlose gestorben. Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. (Römer 5,6+8)

Autor: Noch längere Zeit verweilte der Missionar bei dem sterbenden Kind und erzählte diesem von dem Leben und dem Tod des Herrn Jesus. Je mehr der Junge von dem guten Hirten hörte, desto größer wurde seine Freude. Als der Missionar sich verabschiedete, versprach er, am nächsten Morgen wiederzukommen. Er hielt sein Wort. Schon zu früher Stunde stieg er mit allerlei Erfrischungen für das sterbende Kind in seinen Taschen, wieder die steile Treppe hinauf. Aber der kleine Junge bedurfte keiner Erfrischungen mehr. Er war in das wunderschöne Land gegangen, nach dem seine Seele so sehr verlangt hatte. Der gute Hirte hatte Sein Schäflein heimgetragen. Neben dem leblosen Körper ihres Kindes saß die Mutter und erzählte dem Missionar unter Schluchzen, sie habe ihr Kind am Abend vorher so glücklich gefunden, wie nie zuvor. Ein über das andere Mal habe der Junge gesagt: Jesus hat mich errettet! Jesus hat mich errettet! Gegen Tagesanbruch sei er dann eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht.
Der müde Pilger gehe da
zu Gottes Ruhe ein.
In ewigem Halleluja
verstummt der Erde Pein.
Die Herrlichkeit des Herrn durchglüht
das Ganze nah’ und fern.
Ein ew’ger Frühlingsmorgen blüht
und feiert Lob dem Herrn.

From → Gnade

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