Zigeuner werden Christen
1.Sprecher: Zigeunermusik in einer Wagenkolonie am Rande einer Großstadt, das ist ein Erlebnis, das nur wenige kennen und das unvergeßlich bleibt. Zigeunermusik in einer Kirche oder einem Gemeindesaal, dazu ein Zigeunerchor, der fröhlich von Jesus Christus singt, das ist neu, das ist nichts alltägliches.
Wer das Leben von Stumpo, Soni, August, Morschla, Käsar, Homlein kennt, ihr Früher und ihr Heute vergleicht, stellt einen sichtbaren Wandel fest. Die Zyntis, wie sie sich nennen, führen ein neues Leben. Um diese Zyntis geht es in dieser Diklamation.
2. Sprecher: Es war im Jahre 1962 in Hamburg, im Ortsteil Wilhelmsburg. Dieser Ortsteil war eine Insel, der immer wieder von der alten Fähre, aus Neuland, angefahren wurde. Gerade dort, nur wenige Meter vom Wasser entfernt, standen vor der Flut im Jahre 1962, Wohnwagen. Sie gehörten zum größten Teil einer Familie. Der Boden war sehr schmutzig. An regnerischen Tagen hatten die Mütter alle Hände voll zu tun, die Kinder einigermaßen sauber zu halten. Vor und in den Wagen ging es lebhaft zu, wenn die Zyntis in ihrer Muttersprache vom Handel, den Tageserlebnissen und ihren musikalischen Auftritten erzählten.
Doch dann am 17. Februar 1962 geschah etwas Schreckliches. Eine große Flutkatastrophe brach über Hamburg herein.
August: So einen starken Sturm habe ich noch nie erlebt. Hoffentlich halten unsere Wagen das aus.
(Frau)
Morschla: Komm August, laß uns schlafen gehen. Es ist schon 12.00 Uhr. Der Sturm hört sicher bald auf.
August: Danach sieht es nicht aus.Aber du hast recht, wir können sowieso nichts dran ändern.
( es klopft heftig an der Tür )
August: ( macht die Tür auf )
Käsar, was machst du denn noch so spät hier? Ist etwas passiert?
Käsar: Die Nachrichten haben gesagt, daß eine große Sturmflut heranrollt. Vier Meter über dem mittleren Hochwasser. Wir müssen etwas unternehmen, sonst kommen wir alle um.
August: Schnell, rufe die Polizei an!
(Pause)
Polizist: Ja,hier Polizei. (Pause) —- Was, ihr seid noch da? Sofort zu der Wilhelmsburger Schule.
August: Habt ihr gehört? Alle zur Wilhelmsburger Schule. Sagt schnell den andern bescheid.
2.Sprecher: Wie ein Lauffeuer ging der Befehl des Stammesältesten durch das Lager. Die Leute kamen zusammen und zwängten sich in die wenigen PKWs die vorhanden waren, so daß acht bis zehn Mann pro Wagen saßen. Und dann ging es hoch zur Schule. Inzwischen war das Wasser so hoch gestiegen, daß die letzten Autos der Zigeunerfamilien schon durchs Wasser fuhren.
1. Sprecher: Auf dem Zigeunerplatz standen nicht nur Wohnwagen, sondern auch ein alter ausgedienter Omnibus und eine Baracke mit einem Kreuz. Seit einigen Jahren besuchte dort eine Zigeunermissionarin der Süd- Ost- Europa Mission die Familien. Sie hielt Frauen- und Kinderstunden und erzählte von Jesus Christus. Aber sie wurde ausgelacht. Nur wenige kamen zu den Gottesdiesten und zu den Versammlungen. Sie wollten nichts von der neuen Lehre wissen, denn unter den Zigeunern herrschte der Aberglaube, die schwarze Magie. Sie sagten, wo es nur ging, anderen Menschen die Zukunft voraus und machten damit ihre finanziellen Gewinne.
Die erste, die sich in der Flutnacht aufmachte,um die Zyntis zu besuchen und ihnen zu helfen,war die Zigeunermissionarin.
Zigeuner: Schwester Gertrud, steh` auf, du mußt mit! Das Zigeunerlager in Wilhelmsburg ist ausgelöscht!
Missionarin: Ja, was ist denn geschehen?
Zigeuner: Hast du nicht gehört, daß heute Nacht die Sturmflut hereingebrochen ist? Und das viele Menschen in den Fluten des Wassers umgekommen sind?
Missionarin: Ich komme sofort und dann fahren wir los, unseren Freunden zur Hilfe.
(kleine Pause)
So, jetzt können wir losfahren!
Zigeuner: Es ist nicht zu beschreiben, wie es heute in unserer Stadt aussieht. Alles steht unter Wasser, die Straßen sind nicht zu erkennen.
Missionarin: Ich sehe nur noch Wasser! Hier können wir gar nicht durch! Wir müssen umkehren, vielleicht können wir ein Boot bekommen, um damit zu dem Zigeunerlager zu gelangen. Wir müssen etwas tun!
-Musik-
Zigeuner: Sind die Zigeunerfamilien etwa auch in den Fluten ertrunken? Hier Schwester Gertrud, ich habe eine Zeitung besorgt. Schau mal, was da steht:
Missionarin: Zigeunerlager fortgeschwemmt! —- Jetzt haben wir schon so vieles versucht, aber es ist nicht möglich nach Wilhelmsburg zu gelangen.
Zigeuner: Überall wird hart geabeitet, um die noch in den Fluten befindlichen Menschen zu retten. Viele, die vom Wasser eingeschlossen sind, müssen von Hubschraubern versorgt werden.
Missionarin: Mich macht es nur so traurig, daß wir heute nichts für unsere lieben Zigeunerfreunde tun konnten. Nichts haben wir über sie erfahren können.
-Musik-
Missionarin: Die Losung des Tages: ” Der Herr macht im Meer Weg und in starken Wassern Bahn.” — Heute dürfen wir aufs Neue des Herrn Hilfe in Anspruch nehmen. Wir wollen uns wieder auf den Weg machen, um unsere Freunde zu suchen. Nachdem wir nun gebetet haben, glaube ich ganz bestimmt, daß wir sie heute finden.
Zigeuner: Das glaube ich auch, Schwester Gertrud. Der Herr wird alles wieder gut machen.
2.Sprecher: In dieser Hoffnung begaben sie sich auf den Weg. Aber auch diesmal kamen sie nicht weit, denn schon am Bahnhof gebot die Polizei:”Halt!”
Zigeuner: Was sollen wir jetzt tun?
Missionarin: Wir lassen das Auto hier stehen und gehen zu Fuß weiter. Dort in der Ferne liegt das Zigeunerlager.
2.Sprecher: Durch Wasser, über aufgerissene Straßen und provisorisch errichtete Laufstege, arbeiten sie sich zu dem Zigeunerlager weiter.
Endlich! Nach vielstündigem Weg erblickten sie das Lager mit den Wohnwagen.
Missionarin: Ein Wunder! Ja, ist es überhaupt zu fassen? Eine Insel mitten im Wasser. Die Wohnwagen stehen da, als hätte es keine Sturmflut gegeben. Gott hat so sichtbar seine Hände über diese Elenden Armen gehalten, weil er mit ihnen Gedanken der Liebe und nicht des Leides hat. (Pause)
August, Morschla, Käsar seid ihr alle am Leben?
August: Wir sind alle gesund und am Leben! Dein Gott hat uns wunderbar geholfen.
Missionarin: Oh, wie froh bin ich, euch alle zu sehen. Seid ihr schon lange wieder hier?
Käsar: Wir sind jetzt vor kurzem mit einigen Schlauchbooten wieder auf diesen Platz zurückgebracht worden. Es fehlt niemand. Wir sind alle am Leben.
Missionarin: Dem Herrn sei Dank und Ehre gebracht! Er hat unsere Gebete erhört. Wie ist es euch denn ergangen? Wo seid ihr gewesen?
August: Wir sind kurz bevor die Flut begann, auf Anweisung der Polizei, zur Wilhelmsburger Schule gefahren. Gerade so schafften wir die Frauen und Kinder in die Schule zu bringen, da hatte das Wasser uns schon eingeholt. Es war einfach schrecklich!
Morschla: Wir hatten große Angst und die Kinder, die schrien, denn das Wasser stieg immer höher. Einige Kinder und auch unsere Eltern fielen in Ohnmacht. Wir schrien, was wir konnten. Es war so sehr kalt, der Strom war ausgefallen, wir hatten kein Wasser zu trinken auch nichts zu Essen. Am Schlimmsten war es für die neun Säuglinge, die wir bei uns hatten, welche regelmäßig ihre Flasche brauchten, aber es war nichts da.
Käsar: Als wir nach zwei Tagen merkten, daß sich unsere Lage nicht besserte, berieten wir uns, was wir machen sollten. Die Säuglinge brauchten dringend etwas zu Essen. Da fanden sich zwei Junge Männer, die bereit waren, durch das eisig kalte Wasser zum nächsten Laden zu schwimmen, um etwas Milch zu besorgen. Und tatsächlich, es dauerte gar nicht so lange, und sie kamen jeder mit einem Paket Milch im Mund zurück. Es reichte nicht ganz für die Säuglinge.
August: Ja, in dieser Not sahen wir, hier kann niemand mehr helfen. Es war ein Weinen und ein Klagen. Doch plötzlich schrie meine Frau:” Betet doch! Betet doch zu unserem Herrn Jesus Christus!”
Und nun erfuhren wir auch seine Hilfe: Es dauerte gar nicht lange, da sahen wir ein Boot herankommen. Männer verteilten Brote an die im Wasser Eingeschlossenen. Wir blinkten ihnen zu, mit einer Taschenlampe, doch sie hatten kein Brot mehr. Sie versprachen wiederzukommen, doch sie kamen nicht. Wieder mußten wir warten und es schien so lange zu dauern. Doch endlich, einige Stunden später kamen Leute vom Hilfsdienst. Wir blinkten ihnen heftig zu, und da sahen sie uns, und wir wurden alle gerettet.
Käsar: Dein Gott ist wunderbar! Er hat uns durch diese Tage der Not hindurchgeholfen.
-Musik-
Missionarin: Gott hatte die Tage und Nächte benutzt, um mit ihnen freundlich zu reden. An diesem späten Nachmittag besuchte ich alle Wohnwagen auf dem Platz und betete mit ihnen zu Gott. Wir dankten ihm für seine wunderbare Güte.
Durch dieses Geschehen konnte Gott anfangen, zu Ihnen zu reden. Schon wenige Tage später kamen starke Zigeunerpersönlichkeiten mit ihren Frauen,die ein Leben voller Schuld und voller Sünde geführt hatten; sie beugten ihre Knie vor dem lebendigen Gott und baten ihn um Vergebung. Sie übergaben ihr Leben dem Herrn Jesus, der Ihnen am Kreuz von Golgatha das Heil erworben hat.
1. Sprecher: Die Tage der Flut, waren Tage des Schreckens. Für die Zigeuner aber waren es, zurückblickend, Tage des Erlebens mit Gott. Viele der Familien der Sippe fanden in diesen Stunden zu einem persönlichen Glauben an Jesus Christus. Von nun an nehmen sie an den Gottesdiensten nicht nur durch ihr Erscheinen teil, sondern tragen die Veranstaltungen verantwortlich mit. Ihre Musik und ihr Singen sind abgestimmt auf das, was sie mit Jesus Christus erlebten.
-Musik-
1. Sprecher: Seit der Flut, hat sich vieles unter den Zigeunern geändert. Die Wagen stehen nicht mehr am alten Platz, sie mußten dem neuen Deichbau weichen. Ihre Barackenkirche mußte viermal erweitert werden und steht heute als Schmuckkasten in einer von der Zigeunergemeinde gepflegten Grünanlage in Hamburg Feddel.
Die Missionarin besuchte mit ihren Helfern nun auch andere Zigeunerlager. Auch dort wirkte der Heilige Geist und viele kamen zum Glauben. Sippen, die miteinander verfeindet waren, leben heute in Frieden. Frauen gaben ihr Gewerbe als Wahrsagerin auf und die, die noch handeln, betrügen nicht mehr. Nicht alle Zigeuner haben ihr Leben dem Herrn übergeben; viele spotten und lachen. Aber die, die nun Jesus nachfolgen, sagen fröhlich von ihm weiter. Sobald die Schulferien angefangen haben, ziehen sie von Ort zu Ort, nicht um zu handeln, sondern um die frohe Botschaft von Jesus Christus weiterzusagen. Sie nutzten jede Gelegenheit.
Julia: Wie kamst du darauf, mich hierhin einzuladen?
Homlein: Als ich dich heute Morgen in der großen Pause sah, erinnerte ich mich daran, daß du mir einmal sagtest:” Ich liebe Zigeunermusik!”
Julia: Und du hast das nicht vergessen?
Homlein: Wie du´s siehst.
Julia: Ja, ich liebe diese Musik. Sie ist so schwermütig.
Homlein: Wie du!
Julia: Wenn du schon alles mitgemacht hättest, was ich hinter mir habe.
Homlein: Eben deswegen habe ich dich hierher eingeladen. Dieses Zigeunerorchester wird für dich eine Überraschung sein. Es ist nämlich eine besondere Gruppe.
Julia: Da stellt sich ja noch eine Jugendgruppe auf die Bühne.
Homlein: Es ist ein Chor.
Julia: Ist das hier eine kirchlich Sache?
Homlein: Das wirst du gleich hören.
Musikstück: Ist dein Leben voller Schuld… (gesungen)
Julia: Schuld? Gibt es denn einen Menschen, der keine Schuld hat? Höchstens dich! Du hast ja auch ein Elternhaus, das okay ist. Ich hab` keinen Vater, und meiner Mutter konnte ich die Moralpredigten nicht abnehmen. Mir war manchmal alles egal. Wenn du wüßtest!
Homlein: Ich bin auch nicht besser. Es gibt keinen Menschen, der noch nichts Unrechtes getan hat. Ich bin nur vor Vielem bewahrt worden. In uns allen steckt die Veranlagung zu jeder Gemeinheit.
Julia: Du? Du bist doch fast ein Musterknabe.
Homlein: Aber auch nur fast. Ich versuch als Christ nach dem Wort Gottes zu leben. Es ist nicht immer leicht, aber Gott hilft mir dabei.
Julia: Und was hat das mit den Zigeunern zu tun?
Homlein: Sie sind auch Christen. Sie haben während der Hamburger Flut das Beten gelernt, seitdem spielen sie nur noch zur Ehre Gottes, denn ihr Leben ist ein ganz anderes geworden.
Julia: Ist das möglich?
Homlein: Ja! Durch Jesus Christus! Er kann unser Leben verändern!